Humanoide Roboter: Von Tesla Optimus bis Figure 03

Im November 2025 veröffentlichte Figure AI Fotos seiner Figure-02-Roboter nach elf Monaten Einsatz im BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina. Die Bilder zeigten Maschinen mit Kratzern, Schrammen und industriellem Schmutz, die Spuren echter Arbeit trugen. Die Roboter hatten 1.250 Betriebsstunden absolviert, über 90.000 Teile verladen und zur Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 beigetragen. Dann wurden sie in den Ruhestand versetzt, ersetzt durch die nächste Generation.
Diese Bilder erzählen mehr als jede Pressemitteilung. Humanoide Roboter sind nicht mehr nur Prototypen auf Messen oder virale Videos auf Social Media. Sie arbeiten in echten Fabriken, an echten Produktionslinien, unter echten Bedingungen. Die Frage ist nicht mehr, ob humanoide Roboter in die Industrie kommen, sondern wie schnell und in welchem Umfang.
Tesla Optimus: Vom Meme zur Fabrik
Als Elon Musk 2021 einen Menschen in einem Roboterkostüm auf die Bühne schickte und Tesla Bot ankündigte, war die Reaktion gemischt zwischen Belustigung und Skepsis. Vier Jahre später sieht die Lage anders aus.
Tesla hat in seiner Fremont-Fabrik eine Pilotproduktionslinie für Optimus eingerichtet. Bis Mitte 2025 wurden »Hunderte« Einheiten gebaut, weniger als die ursprünglich angestrebten 5.000, aber ein deutlicher Fortschritt. Die Roboter werden bereits in Teslas Fabriken und Büros getestet, wo sie Teile bewegen, Materialien sortieren und repetitive Aufgaben an der Produktionslinie übernehmen.
Der größere Plan: Tesla hat mit dem Bau einer eigenen Optimus-Fabrik bei Giga Texas begonnen. Die Anlage soll bei voller Auslastung bis zu 10 Millionen Roboter pro Jahr produzieren können, eine Zahl, die entweder visionär oder absurd ist, je nach Perspektive. Die erste Produktion wird für 2027 erwartet.
Musk hat die dritte Generation von Optimus angekündigt, die im Frühjahr 2026 vorgestellt werden soll. Zu den Verbesserungen gehören Hände mit 22 Freiheitsgraden, also volle menschliche Beweglichkeit, und ein Design, das Musk als »exquisit« bezeichnet. Das Produktionsziel: 20.000 Dollar pro Einheit. Ob das realistisch ist, wird sich zeigen.
Figure AI: Schneller Fortschritt, harte Lektionen
Figure AI, das Startup mit Investitionen von Microsoft, Nvidia und OpenAI, hat einen anderen Weg gewählt: weniger Ankündigungen, mehr Praxis. Die Partnerschaft mit BMW war der erste echte Test.
Die Aufgabe klingt einfach: Blechteile aus Behältern nehmen und in Schweißvorrichtungen legen. In der Praxis bedeutet das, Teile mit einer Toleranz von 5 Millimetern in 2 Sekunden zu platzieren, Schicht für Schicht, zehn Stunden am Tag. Figure 02 erreichte eine Erfolgsrate, die siebenmal höher lag als zu Beginn, und wurde 400 Prozent schneller.
Aber die Bilder der pensionierten Roboter zeigen auch die Realität: Der Unterarm war der häufigste Hardware-Ausfallpunkt, eine Herausforderung wegen der engen Bauweise, der Anforderungen an die Fingerfertigkeit und der thermischen Belastung. Diese Erkenntnisse flossen in Figure 03 ein, das im Oktober 2025 vorgestellt wurde.
Figure 02 selbst war beeindruckend: 170 cm groß, 70 kg schwer, 20 kg Tragfähigkeit, 50 Prozent mehr Batteriekapazität als der Vorgänger, sechs Kameras für räumliche Wahrnehmung, Lautsprecher und Mikrofone für Interaktion mit Menschen. Figure 03 geht noch weiter: 9 Prozent leichter, doppelte Bildrate im Visionssystem bei einem Viertel der Latenz, 60 Prozent breiteres Sichtfeld pro Kamera, und kabelloses induktives Laden über Spulen in den Füßen. Das proprietäre »Helix«-Vision-Language-Action-Modell ersetzt die frühere Zusammenarbeit mit OpenAI, die Figure AI 2025 beendet hat, mit der Begründung, dass große Sprachmodelle »immer smarter, aber auch commoditisierter« werden.
Die breitere Landschaft
Tesla und Figure sind nicht allein. Die Landschaft humanoider Roboter 2025 umfasst etablierte Player und ambitionierte Newcomer.
Boston Dynamics hat 2024 eine vollelektrische Version seines Atlas-Roboters vorgestellt, nachdem die hydraulische Version nach Jahren beeindruckender Parkour-Videos pensioniert wurde. Der neue Atlas ist für kommerzielle Anwendungen konzipiert, aber noch nicht in großem Maßstab im Einsatz.
Agility Robotics entwickelt Digit, einen humanoiden Roboter speziell für Lagerhaltung und Logistik. Amazon testet Digit in seinen Fulfillment-Centern für Aufgaben wie das Bewegen leerer Behälter. Apptroniks Apollo wird bei Mercedes-Benz erprobt.
Aus China kommen Konkurrenten wie Unitree, die mit niedrigeren Preisen und schneller Iteration punkten. Der globale Wettbewerb verschärft sich.
Die Skepsis der Experten
Nicht alle teilen die Euphorie. Rodney Brooks, Mitgründer von iRobot und einer der renommiertesten Robotik-Experten der Welt, bezeichnet die Vision humanoider Roboter als Allzweck-Assistenten als »reine Fantasie«. Roboter, so Brooks, haben fundamentale Probleme mit Koordination und Anpassungsfähigkeit, die durch mehr KI nicht einfach gelöst werden.
Die Kritiker haben einen Punkt. Die bisherigen Einsätze sind eng begrenzt: ein Roboter, eine Aufgabe, eine kontrollierte Umgebung. Die Vision von Robotern, die flexibel zwischen verschiedenen Tätigkeiten wechseln, im Haushalt helfen oder unvorhergesehene Situationen meistern, ist weit entfernt von der Realität.
Auch die wirtschaftlichen Fragen sind offen. Figure AI wird mittlerweile auf 39 Milliarden Dollar bewertet und hat über eine Milliarde Dollar an Kapital eingesammelt. Die neue »BotQ«-Fertigungsanlage kann bis zu 12.000 humanoide Roboter pro Jahr produzieren. Tesla spricht von 10 Millionen Robotern pro Jahr, produziert aber derzeit Hunderte. Die Lücke zwischen Vision und Ausführung ist enorm, aber sie schrumpft schneller als erwartet.
Die Rohstoff-Frage
Ein unterschätztes Problem: Humanoide Roboter brauchen Seltenerdmagnete für ihre Motoren, und China kontrolliert den Großteil der globalen Produktion. Teslas Verhandlungen über Exportlizenzen zeigen, dass Geopolitik ein Flaschenhals werden könnte. Wer die beste Technologie hat, aber keine Magnete bekommt, produziert keine Roboter.
Was 2026 bringen wird
Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, ob der Hype berechtigt ist. Tesla will Optimus Gen 3 im Frühjahr 2026 vorstellen und die Produktion hochfahren, mit dem Ziel einer Produktionslinie für eine Million Einheiten pro Jahr. Figure AI wird Figure 03 in weitere Fabriken bringen. Die Frage ist nicht nur, ob die Roboter funktionieren, sondern ob sie wirtschaftlich sinnvoll sind.
Musk behauptet, 80 Prozent von Teslas zukünftigem Wert werde aus Optimus und KI kommen. Das ist entweder prophetisch oder größenwahnsinnig. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen: Humanoide Roboter werden eine Rolle in bestimmten industriellen Anwendungen spielen, aber der Weg zur breiten Adoption ist länger und steiniger, als die Pressemitteilungen vermuten lassen.
Was feststeht: Die verkratzten, verschmutzten Figure-02-Roboter aus Spartanburg sind der ehrlichste Beweis dafür, dass die Technologie nicht mehr nur Theorie ist. Sie arbeiten. Nicht perfekt, nicht überall, nicht ohne Probleme. Aber sie arbeiten.
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